
Es gibt Momente, in denen Worte nicht reichen. Momente, in denen etwas in uns arbeitet, dass noch keine Form hat – aber schon spürbar ist. Genau dort beginnt für mich Kreativität. Nicht als Technik, nicht als Talent, sondern als Haltung.
Eine Haltung, die sagt: Ich vertraue darauf, dass in jedem Menschen etwas Wertvolles steckt – und dass es Wege gibt, es sichtbar zu machen.
Seit über 25 Jahren begleite ich Menschen als systemische Coachin. Ich habe unzählige Methoden kennengelernt, viele Werkzeuge ausprobiert und mich in Gestaltung, Design, Imaginationstherapie und Archetypenlehre weitergebildet. Doch der rote Faden, der sich durch alles zieht, ist immer derselbe: Kreativität öffnet Türen, die rationales Denken allein nicht findet.
Was ich von Kindern lern(t)e
In einer Weiterbildungseinheit fragte mich der Prozessbegleiter, was mir denn genau so viel Spaß und Freude bei der Begleitung von Kindern macht und welchen Sinn dies für mein Leben hat. Die Tiefe dieser Frage hat mich sehr berührt und auch immer wieder beschäftigt. Die Antworten, die ich darin gefunden habe, sind sehr vielfältig und gleichzeitig zu etwas wie einem roten Lebensfaden geworden.
Die stille Kraft des Spiels
Kinder wissen intuitiv, was Erwachsene oft verlernen: Spiel ist kein „Zeitvertreib“. Spiel ist ein Erkenntnisraum. Wenn ein Kind eine HERZWESEN® Handpuppe in die Hand nimmt, passiert etwas Erstaunliches. Es entsteht ein Zwischenraum – ein sicherer Ort, an dem Gefühle, Wünsche und Konflikte plötzlich eine Stimme bekommen dürfen. Und genau in diesem Zwischenraum liegt die Kraft: Das Spiel erlaubt, was das direkte Gespräch manchmal verhindert. Ich erlebe immer wieder, wie Kinder über die kleinen Wesen Dinge ausdrücken, die sie sonst nicht sagen könnten. Wie sie Lösungen finden, ohne dass jemand sie „anleitet“. Wie sie mutig werden, weil die Figur ihnen Mut leiht.
Wie Handpuppen zu Persönlichkeiten werden
Als ich begann, diese Handpuppen aus Kinderzeichnungen heraus zu entwickeln, war das kein strategischer Schritt. Es war ein innerer Impuls. Eine Idee, die plötzlich Form wollte. Heute weiß ich: Diese Figuren sind mehr als Produkte. Sie tragen Emotionen, Geschichten, Humor und Tiefe in sich – und sie berühren Menschen auf eine Weise, die Worte oft nicht schaffen. Kinder spüren das sofort. In sozial-emotionalen Kompetenztrainings erlebe ich immer wieder, wie sie mit einer Mischung aus Neugier, Mut und Leichtigkeit ihre Potenziale entdecken. Sie finden Lösungen, die aus ihnen selbst kommen – nicht, weil jemand ihnen sagt, wie es geht, sondern weil sie sich im Spiel ausprobieren dürfen.
Diese Momente bestätigen mich in meiner Haltung: Veränderung darf leicht sein. Und Leichtigkeit darf tief gehen.
Figuren und Objekte erzählen Geschichten, die wir brauchen
Es beginnt oft mit einem Gefühl. Einem Bild, das auftaucht, bevor wir es greifen können. Einem Impuls, der sich meldet, wenn Worte noch fehlen. Diese inneren Bilder sind für mich seit vielen Jahren ein Kompass. Sie zeigen Richtungen an, die der Verstand manchmal übersieht. Und genau deshalb liebe ich die Arbeit mit Figuren: Sie geben dem Unsichtbaren eine Gestalt. Sie machen sichtbar, was im Inneren längst da ist – aber noch keinen Ausdruck gefunden hat.


In Ausstellungen möchte ich genau diesen Prozess zeigen: Wie aus einem Impuls ein Objekt wird. Wie aus einem Stück Holz, Wolle, einem Stoffrest etwas ganz Neues entsteht. Wie aus einem inneren Bild ein äußeres Ausdrucksmittel wächst. Ohne Perfektion. Es geht um Entwicklung. Um das Werden. Um das Sichtbarwerden. Das Upcycling ist für mich ein Symbol: Das Wertvolle ist oft schon da. Manchmal muss man es nur neu zusammensetzen. Manchmal braucht es einen anderen Blick. Manchmal eine neue Form.
Ausstellungen, Kleinkunst und Puppenbühnentheater werden in 2026 teilweise spontan, aber auch mit langer Vorlaufzeit geplant. Sie sind eine Einladung Kreativität als Haltung zu erleben – nicht nur zu betrachten.
Ich glaube fest daran, dass wir Geschichten brauchen, um uns selbst zu verstehen. Und manchmal brauchen wir Figuren, um diese Geschichten erzählen zu können. Sie erinnern uns daran, dass wir mehr sind als unsere Rollen. Dass wir wachsen dürfen. Dass wir auch als Erwachsene spielen dürfen. Dass wir fühlen dürfen. Und dass Kreativität ein Weg ist, der uns immer wieder zu uns selbst zurückführt. Gerade in einer sich global und rasch verändernden Welt.
Kreativität ist ein Weg, der uns immer wieder zu uns selbst zurückführt – mit Humor, Tiefe und einer großen Portion Herz.